Methodikus

Joined: 17 Feb 2006 Posts: 1107
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Posted: Mon Feb 20, 2006 1:17 pm Post subject: So vermeiden Sie die Schuldenfalle |
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So vermeiden Sie die Schuldenfalle
Vor kurzem wurde der "Schuldenreport 2006" http://www.science-shop.de/blatt/d_shop_buch&_knv_dok_nr=053130059 veröffentlicht, der mit erschreckenden Zahlen für Deutschland aufwartet. Nach diesem Bericht sind 3,1 Millionen aller deutschen Haushalte und damit mehr als jeder zwölfte Haushalt überschuldet. Darüber hinaus stehe laut diesem Bericht eine weitere halbe Million Haushalte kurz davor, in die Überschuldung abzustürzen. Was sind die Ursachen dieser epidemischen privaten Verschuldung? Wie können Sie sich davor schützen?
Die Politik der Konsumanfeuerung
Kaum ein Tag vergeht, daß sich nicht ein Politiker öffentlich dazu Gedanken macht, wie denn der Konsum, und damit die Wirtschaft, anzukurbeln sei. Da gibt es die verteilungsgerechtliche Variante: "Ärmere Menschen konsumieren mehr, ergo soll zur Konsumankurbelung von oben nach unter umverteilt werden", dann die vermeintlich seriösere ökonomisch-theoretische: "Steigende Nachfrage führt zu höheren Einkommen und damit zu einer weiter steigenden Nachfrage, sprich Wirtschaftswachstum. Das Angstsparen der Bevölkerung ist daher kontraproduktiv und stößt uns in eine - deflationäre - Rezession" und schließlich die inflationäre Variante: "Niedrige Zinsen stellen den Kredit zur Verfügung, ohne den die Wirtschaft nicht wachsen kann." Allen drei Argumenten ist gemein, daß sie den Konsumenten implizit oder explizit einen Blanko-Scheck zur maßlosen Konsumausweitung ausstellen und dann ist plötzlich die Verwunderung groß, wenn die breite Masse dem Glauben verfällt, daß sie mit ihrer Verschuldung "der Gesellschaft" etwas Gutes tut und danach handelt. So falsch kann es ja nicht sein, wenn alle Experten unisono dem Konsum das Wort reden und der Staat mit seiner ausufernden Staatsverschuldung "vorbildlich" voranschreitet.
Die Ökonomie der Verschuldung
Das Kreditwesen ist eine der wichtigsten Errungenschaften der menschlichen Zivilisation, da es zu einer effizienteren Allokation des verfügbaren Kapitals führt. Wie bei jedem anderen Tausch, so sind auch in diesem Fall zwei Personen involviert. Der Gläubiger und der Schuldner. Ersterer ist eine Person, die während einer bestimmten Zeitspanne sein Geld nicht benötig. Zweiterer eine Person, der gerne Kapital für eine unternehmerische Tätigkeit einsetzen möchte, dieses alleine aber nicht aufbringen kann. Im engen Sinne kann der Gläubiger als Kapitalist bezeichnet werden, d.h. als eine Person, die über einen bestimmten Zeitraum das Verfügungsrecht über sein Kapital einer anderen Person gegen die Bezahlung von Zinsen gewährt. Der Zins ist wiederum eine Kompensation des Schuldners für die temporäre Nutzungsüberlassung und speist sich aus der Tatsache, daß jeder Mensch für den Verzicht auf heutigen Konsum mit einer Prämie entschädigt werden muß. (Das sogenannte Konzept der Zeitpräferenz).
In einem auf Warengeld basierten Geldsystem wie dem Goldstandard wäre ein Sparer, der anderen das Verfügungsrecht über seine Ersparnisse erteilt, eigentlich ein Investor. Ist der Schuldner mit seiner Investition erfolglos, dann trägt der Gläubiger das volle Verlustrisiko. Möchte jemand sein Erspartes bloß sparen und nicht investieren, dann würde er es zwar noch immer auf die Bank bringen, aber dieser nicht gestatten, daß Geld weiterzuverleihen. Er hortet also. Daher muß ein Sparer-Horter im Gegensatz zum Kapitalist-Investor für die Aufbewahrung am sicheren Ort "Bank" etwas bezahlen und erhält keine Zinszahlungen.
Gänzlich anders verhält es sich im heutigen Papiergeldsystem. Hier wird selbst jedem Sparer-Horter ein positiver Geldzins versprochen. Dies ist nur möglich, weil das Papiergeldsystem letzten Endes ein riesiges Pyramidenspiel ist. Um die Zinsen zu "bezahlen" wird einfach mehr Geld gedruckt. Da Papiergeld bilanztechnisch auf der Passivseite steht, erhöht sich mit dem Druck von weiterem zinsbringendem Papiergeld die Schulden- wie die Zinslast immer weiter. Deshalb sind die Ausweitung der Geldmenge und der Anstieg der staatlichen, wie privaten Verschuldung ein und dieselbe Seite der Medaille Geldmengenausweitung, die im Schnitt der letzten 5 Jahre in der Eurozone stolze 6,6% (M3) betrug.
Im Gegensatz zum Goldstandard, der die ungedeckte Ausweitung der Geldmenge schlicht verunmöglicht, was die Anzahl der Schuldner in engen Grenzen hält, fehlt diese automatische Bremse dem heutigen Geldsystem. Es produziert daher aus der inneren Notwendigkeit immer mehr Schuldner, die früher oder später ihre Schulden nicht zurückzahlen können. Während in einem Geldsystem mit 100% Golddeckung solche Fälle auch vereinzelt vorkommen können, denn irren ist schließlich ein unabwendbarer Bestandteil der grundsätzlichen Unvorhersehbarkeit der Zukunft, können sie jedoch niemals epidemische Ausmaße annehmen. Das kann nur in einem Pyramidenspiel wie dem heutigen Papiergeld auftreten und zwar in dem Augenblick, wo dem Pyramidenspiel die Finanzierungsbasis wegzubrechen beginnt.
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